Weiße Eier werden abgeschafft, weil ihnen etwas Rassistisches anhaftet

© Fehldruck – Weiße Eier sind rassistisch.

Weiße Eier werden ab sofort abgeschafft

– Eilmeldung! Ab Morgen gibt es keine weißen Eier mehr.

Berlin (fhd)Wie aus einem völlig harmlosen, lediglich leicht gutmenschlich angehauchten Rätsel ein Politikum der Güteklasse A werden kann, zeigte sich einmal mehr auf der Staatskunst-Bühne unserer Bunten-Hauptstadt Berlin.

Alles hatte damit begonnen, dass bis in den Frühsommer des Vorjahres hinein ein paar wächserne Figuren aus dem Kabinett hitzige Debatten über eine der wichtigsten Fragen der Menschheit führten: „Was war zuerst da: die Henne oder das Ei?“ Doch blieben diese Erörterungen nicht geheim, selbst wenn sie hinter geschlossenen Türen stattfanden. Denn diese wichtigen Menschen in ihren grauen Outfits, die im Wechsel eifrig über ihre Thesen gackerten und brüteten, hatten eine Sache nicht bedacht: Undichte Stellen. Und die hatten gründlich dafür gesorgt, dass auch diese Problemwälzerei der hohen Politik draußen laut und deutlich zu hören war.

Indem die Diskussionen so auf die Straße gedrungen waren, hatten auch die Legebatterie-Vertreter unter ihrem Dachverband „LEGESHIDA“ davon Wind bekommen. Sofort entsandten sie einen Lobby-Laufvogel zu den Kabarettisten – sorry … Kabinettisten – mit folgender Nachricht: „Lasst ab von Euren Hahnenkämpfen, denn wir kennen die Lösung des Problems: Das Ei ist aller Laster Anfang! Vor allem das Weiße daran! Wir wollen deshalb in Zukunft nur noch braune Eier legen lassen.“ Als die Politiker diesen Hinweis vernahmen, konnten sie nicht umhin, den Interessenvertretern Recht zu geben: „Der weißschaligen Art“ haftet tatsächlich etwas Rassistisches an. Wir sollten deren Herstellung wirklich untersagen“, fasste ihr Sprecher zusammen. Schnell zog dieser Vorschlag weitere Kreise, fand Freunde – insbesondere unter den Befürwortern von „Verrrrrrboten!“ im Parlament.

Der weiße Eier Gesetzesentwurf – No-Blanco-Eier-Gesetz

Und so wurde aus einem für die betreffenden Hühner schlimmen Positionspapier bald ein noch schlimmerer Gesetzesentwurf. Denn der sah nicht nur das Weiße-Eier-Produktions-Interdikt vor. Vielmehr sollte das Geflügel obendrein auf die Produktion andersfarbiger Schalen umschulen. – Alternativ landeten sie sonst als Brathähnchen auf den Tellern der Abgeordneten.

Dieser erweiterte Entwurf brachte sogar einen noch größeren Beifall mit sich als die ursprüngliche Ideen-Skizze. Also wurde sogleich das darauffolgende Sommerloch genutzt, um die Sache widerspruchslos – und damit erfolgreich durchzuwinken. Seit gestern nun ist das Inkrafttreten des neuen Gesetzes auch für den Verbraucher ersichtlich. Beziehungsweise umgekehrt: Er sieht es jetzt eben nicht mehr, das weiße Ei. Zumindest nicht von außen …