Erdbeere gekackt

Stell dir vor, dein Kind geht morgen in den Kindergarten und erzählt allen Kiddys: „Ich habe in eine Erdbeere gekackt.“

Köln (fhd) – Putzige kleine Menschen sagen oft putzige kleine Sachen, die aber dann mitunter große Verwirrung stiften können. So weiß die Autorin dieses Artikels beispielsweise von einem Mädchen, das partout keinen Spinat essen wollte. Immer wieder rief es: „Ich mag kein Gänse-AA!“ Bis schließlich die findige Mama ihrem Kind im Selbsttest zeigte, dass das Grünzeug auf dem Teller ein feines Essen sei – und nicht von Nachbars Geflügel stamme. Die Demonstration war erfolgreich: Fortan liebte der Blondschopf das Kraut aus der botanischen Familie der Fuchsschwanzgewächse über alles. Und das nicht nur, weil es damals noch als „Eisenbombe“ galt und deshalb angeblich so gesund war. Aber das ist eine ganz andere Geschichte. Denn später relativierte sich die Sache ja. Die ganze Welt war vermutlich einem blöden Rechenfehler aufgesessen. So bezogen sich die Angaben von 35 bis 41 Milligramm Eisen in 100 Gramm auf Spinat als Trockenmasse. Aber wer isst schon gerne Heu … Heute stecken laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in der gleichen Menge Spinat – jedoch als frisches Popeye-Gemüse – durchschnittlich nur noch 3,4 Milligramm Ferrum. Auch nicht schlecht, aber bombastisch ist halt nicht mehr.

Im Kindergarten helle Aufregung

Jedenfalls verlief bei der kleinen Luisa die Sache nicht ganz so glatt. Sie sorgte eines Tages in ihrem Kindergarten für helle Aufregung, als sie behauptete: „Ich habe gestern in eine Erdbeere gekackt!“ Nun ist unter den Fachleuten der Kleinkindpädagogik bekannt, dass laut Sigmund Freud bei den Menschleins im Alter etwa zwischen dem zweiten und dem vierten Lebensjahr – sprich gleich nach der Ora- in die Ana-Phase auftritt.

Luisa ist aber schon darüber hinaus, sie soll bald eingeschult werden. Was also tun, wenn bei einem solch lebhaften Kind die Fantasie durchzugehen scheint? Die Mütter der anderen Sprösslinge zeigten sich erst einmal entsetzt ob dieser Schauergeschichte – zumal aus der Truppe jetzt kein einziger Dreikäsehoch mehr Erdbeeren essen will.

„Ich muss handeln“, sagt sich die zuständige Kindergärtnerin Ann Klage. Sie will mit Luisas Familie ein ernstes Gespräch führen. Doch kaum betritt sie zum vereinbarten Termin deren Haus, macht sich die Extra-Schüssel der leckeren links-/rechtsdrehenden Joghurt-Kulturen mit Strawberry-Geschmack Made in Japan vom Frühstück bemerkbar. Eilig fragt Ann Klage Luisas Eltern nach dem Weg zum Gäste-WC. Und der führte sie direkt zu der besagten Erdbeere, in die nun auch die gestandene Kindergärtnerin …

Gekackt

Die Moral von der Geschicht?

Kindermund tut Wahrheit kund.
Und wer noch nie aus einer Erdbeerschüssel gegessen und danach auf einer solchen auch gesessen, der werfe die erste Erdbeere.

© Foto ganz oben: Strawberries – happy girl with strawberries, gorillaimages