Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei

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Die 1980-er Jahre

Bremen (fhd)Wer erinnert sich nicht an die 1980-er Jahre zurück? Es war die Zeit der Schulterpolster, der Vokuhila-Frisuren und der Neuen Deutschen Welle. Letztere zeichnete sich durch ihre Tanzbarkeit aus, aber auch durch deutsche Texte, die teilweise von echtem Minimalismus gekennzeichnet waren. Weshalb sonst war die Band Trio so beliebt? „Da, da, da“ zählte wochenlang zu den meist verkauften Hits. Mit so einem Text konnte man nichts falsch machen.

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei

Anders sieht es mit dem Titel „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“ aus. Stephan Remmler dachte beim Vortrag dieser Zeile wahrscheinlich ebenso wenig über deren Wahrheitsgehalt nach wie seine Fans. Das war ihnen grundsätzlich nicht zu verdenken. Was bestimmte denn den Alltag der jungen Leute damals? Sie freuten sich schon montags auf die Disco, die erst am Freitagabend stattfand und Liebeskummer war damals wie heute ein Thema. Die Arbeitswoche und Beziehungen nahmen ein Ende und Stephan Remmler hatte recht. Oder etwa nicht?

Die heutige Jugend sieht das anders, beispielsweise der 19-jährige Student Lars K. Er fand beim Stöbern im Plattenschrank seines 45-jährigen Vaters Rainer die Single „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“. „Falsch“, sagte K. „Das hat es nicht.“ Es braucht wahrscheinlich nicht erwähnt werden, dass K. im achten Semester Jura studiert. Gerade hatte er vom BaföG-Amt ein Schreiben erhalten, dass über seinen Antrag nicht entschieden werden kann, weil Unterlagen fehlten. Dabei hatte er selbige bereits zu Beginn des vorigen Semesters eingereicht. Und des vorvorigen. Außerdem hatte K. gelesen, dass die Landespolitiker wieder ihre Diäten, Steuern und die Krankenkassen die Beiträge anheben. Das Dilemma ging weiter. „Dem Remmler werde ich es zeigen“, sprach K. Also verklagte er ihn und bekam Recht.

Der Staatsgerichtshof der Freien Hansestadt Bremen entschied

In erster Instanz entschied der Staatsgerichtshof der Freien Hansestadt Bremen, das Lied müsse umbenannt werden. In deutschen Texten müsse drin sein, was drauf steht. Dieser Songtext handelt zwar von „Beziehungsenden“ aber das Gericht lässt den Einwand nicht gelten. So könnte der Songtitel missverstanden werden Der neue Titel lautet: „Alles hat kein Ende, und die Wurst kann so bleiben, wie sie ist.“ Ob Remmler in Berufung geht, weiß er noch nicht. Wenn er diesen Rechtsstreit fortführen würde, hätte der Kläger womöglich tatsächlich Recht.

Unsere Redaktion wünscht Stephan Remmler alles Gute und viel Kraft in dieser schweren Zeit.


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